Brechnuss als Treibstoff der Zukunft?

Auch wenn die aktuelle Situation auf den Energiemärkten der Welt hauptsächlich auf Spekulationen aufbaut, eine Suche nach Alternativen zum Öl ist zwingend geboten und keine grüne Spinnerei mehr!

Während in Europa allgemein die Wirtschaftsentwicklung beklagt wird, jubeln die Ökonomen weltweit über die Wachstumsraten in Asien, vor allem von Indien und China. Gleichzeitig zeigen sich viele der führenden Köpfe der Wirtschaftswelt darüber verwundert, sogar schockiert, das das asiatische Wirtschaftswunder nicht ohne einen rasant steigenden Energiebedarf stattfinden kann, was sich derzeit im ausgesprochen nervösen Rohölmarkt niederschlägt. Dabei sollte sich jeder zumindest einigermaßen intelligente Mensch so ungefähr vorstellen können, welche Konsequenz es mit sich bringen wird, sollte an einem nicht mehr allzufernen Tag jeder Inder und jeder Chinese vom Fahrrad aufs Auto umgestiegen sein. Nicht nur die Entwicklung des Ölpreises, sondern auch die Zunahme des CO2-Geahlts in der Atmosphäre mit all ihren Konsequenzen auf das weltweite Klima lässt sich absehen.

Zumindest ein Teil des riesigen Energiebedarfs scheint sich aber aus erneuerbaren Quellen speisen zu lassen. Ein Forschungsprojekt von Daimler Chrysler in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung und der indischen Regierung hat die Produktion von Biotreibstoffen auf Basis der Brechnuss (Jatropha curcas) zum Ziel. Die bohnenartige, braune Frucht dieser Pflanzen liefert ein zähflüssiges Öl, welches für die Nutzung in Verbrennungsmotoren geeignet scheint. Der Ertag pro Hektar liegt dabei angeblich bei 500 bis 700 kg, das reicht für ca. 10 Tankfüllungen.

Dabei scheint der Anbau der Pflanzen in subtropischen und tropischen Gegenden noch weitere positive Effekte zu haben: durch den hohen Gehalt an Giftstoffen ist diese Pflanzen unempfindlich gegenüber Fraßfeinden und Schädlingen, der Einsatz von Pestiziden somit nicht notwendig. Da der Anbau zudem auch auf verödetenen und ausgelaugten Böden möglich ist, ergibt sich für viele Gegenden der genannten Klimazonen eine neue Zukunftsperspektive in der Landwirtschaft.

Ob allerdings das Öl der Jatropa-Pflanzen dem Erdöl ernsthaft Konkurrenz machen wird, ein von >>Spiegel Online<< (Artikel vom 13. Oktober 2004) entworfenes Szenario, dürfte fraglich sein, die Anbauflächen zur Versorgung des Weltbedarfs an Treibstoff werden, wenn überhaupt ausreichend, nur zu Lasten der Nahrungsversorgung großer Bevölkerungsteile dieser Schwellenländer gehen.

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