Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Gemeine oder auch Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae, früher wohl auch Oenotheraceae) ist eine der Pflanzen, die bei uns oft am Wegesrand wächst und blüht, aber kaum Beachtung findet. Dabei ist sie mal als beliebte Gartenpflanze bei uns eingeführt worden. Sie gehört damit zu den sogenannten Neophyten, den bei uns eingewanderten Pflanzen. Laut Dr. Ferdinand Müllers Kräuterbuch (siehe unten) kam sie bereits 1640 aus Virginia (Nordamerika) zu uns.

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Nachtkerze hat im Volksmund viele Namen erhalten: Nachtblume, Gelber Nachtschatten, Nachtschlüsselblume, Eierblume, Gelbe Rapunzel, Härekraut, Rapontika, Rübenzunge, Rübenwurzel, Schinkenkraut, Schinkenwurz, Stolzer Heinrich, Weinblume, Weinkraut, Hustenblume. Der lateinische Name Oenothera biennis bedeutet übrigens »Zweijährige Weinblume«. Neben der Nutzung als Gemüse – was ich zum Beispiel nicht wusste – wird aus der Nachtkerze auch ein Öl gewonnen, das Nachtkerzenöl. Es findet Anwendung bei der Behandlung von Neurodermitis und in Hautcremes für kosmetische Zwecke.

Dr. Ferdinand Müller schreibt in seinem »Illustrierten Kräuterbuch« von 1886 über die Gemeine Nachtkerze:

… schöne Gartenpflanze, welche 1640 aus Virginien nach Europa kam. Sie wird gegenwärtig bei uns überall in Gärten und selbst verwildert auf Äckern, Anhöhen und Gebüschen getroffen, …

Über ihren Nutzen schreibt er weiter:

Im Winter gibt die Wurzel in kleine Scheiben geschnitten, und mit Essig und und Oel angemacht, einen gesunden Salat oder mit Fleischbrühe gekocht, ein nahrhaftes Gemüse. Im Allgemeinen wird diese Pflanze wie Sellerie behandelt und will sie keinen frischen Boden. Die angenehm süßlich schmeckende Wurzel (Rapontika) ist samt den Blättern als eröffnendes, blutreinigendes Mittel geschätzt.

Georg Schlenker schreibt in seinen »Botanischen Streifzügen in Haus, Hof und Garten« über die Nachtkerze:

Die gemeine Nachtkerze stammt aus Virginien, wurde 1614 bei uns als Küchengewächs eingeführt (die fleischige Wurzel ist eßbar) und kommt jetzt in Gärten und Weinbergen an trockenen Hängen und Flußufern nicht selten wild vor. In größeren Gärten zieht man sie in einer großblumigen Form, ….

Virginien scheint ein damals üblicher Name für den US-amerikanischen Staat Virginia gewesen zu sein. Jedenfalls finde ich die Pflanze nicht nur wegen der Verwendung als Gemüse interessant (was ich unbedingt mal ausprobieren muss), sondern sie ist auch bei Nachtschwärmern äußerst beliebt. So sollen unter anderem Taubenschwänzchen und Windenschwärmer die sich abends öffnenden Blüten besuchen.

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