Hildegard von Bingen, eine Naturkundlerin in der dunklen Zeit des Mittelalters

Diese Frau hat vor fast tausend Jahren im tiefsten Mittelalters gelebt und gewirkt! Aus diesem Grund ist ihr Lebenslauf nur sehr lückenhaft bekannt und ihr Werk leider nicht im Original erhalten.

Sie wurde im Jahre 1098 als zehntes Kind des Grafen von Bermersheim auf der Burg Böckelheim an der Nahe geboren. Mit acht Jahren wurde sie von ihren Eltern zu einer Klausnerin auf dem Disibodenberg gegeben. Mit 15 trat sie als Ordensschwester dem neu gegründeten Benediktinerinnenkloster bei. 1136 wurde sie selbst zur Äbtissin. 1147 gründete sie das Kloster Rupertsberg in der Nähe von Bingen.

Ihr Lebenswerk war von einer enormen Vielseitigkeit geprägt: sie trat für eine grundlegende Reform des kirchlichen Lebens ein, engagierte sich in musischen und mystischen Bereichen, und sammelte für die damalige Zeit eine enormes Wissen auf den Gebieten der Medizin und der Naturwissenschaften an.

Ihre natur- und heilkundlichen Schriften sind leider nur in Kopien überliefert, dennoch besteht kein Zweifel an ihrer Authenzität. Ihr bekanntestes Werk ist ein für den praktischen Gebrauch bestimmtes Arzneibuch, die »Physica«. Es beinhaltet neun Kapitel mit insgesamt 513 Einzelbeschreibungen. Ein Schwerpunkt bildet die Botanik: 293 Darstellungen widmen sich Kräutern und anderen Heilpflanzen, die damals in Klostergärten angebaut wurden. Weitere Darstellungen beziehen sich auf die Tierwelt: ihre Zusammenfassung der Fische des Rheins war bis ins zwanzigste Jahrhundet hinein die vollständigste.

Sie starb am 17. September 1179 mit 82 Jahren im Kloster auf dem Rupertsberg in der Nähe von Bingen. Hildegard von Bingen erfuhr in den letzten Jahren durch die verklärte Esoterik-Bewegung der westlichen Welt eine zweifelhafte Renaissance, die ihrem Lebenswerk sicherlich nicht gerecht wird.

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