Auf Almwiesen: der Weiße Germer (Veratrum album)

Auf Almwiesen: der Weiße Germer (Veratrum album)

Auf vielen Almwiesen der bayerischen und österreichischen Alpen wächst der Weiße Germer (Veratrum album). Die Pflanze gehört zur Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Sie ist stark giftig. Weitere bekannte Namen sind Nieswurz, Lauskraut oder Lauswurz. Der Weiße Germer kann leicht mit dem Gelben Enzian (Gentiana lutea) verwechselt werden, vor allem dort, wo die beiden Pflanzen gemeinsam vorkommen, wie zum Beispiel auf dem Schachen bei Garmisch-Partenkirchen. Das einfachste Unterscheidungsmerkmal zwischen Weißen Germer und Gelben Enzian ist die Blattstellung: die Blätter des Weißen Germers sind wechselständig, die des Gelben Enzians gegenständig angeordnet. Der Weiße Germer als Giftpflanze und Heilkraut Dr. Ferndinand Müller schreibt in seinem illustrierten Kräuterbuch von 1886 über den Weißen Germer: Die Wurzel ist unter dem Namen weiße Nieswurz ein bekanntes Heilmittel, doch in größerer Gabe gefährlich, und bewirkt so Speichelfluß, Entzündung des Magens, Krämpfe und sofort den Tod. Die gepulverte Wurzel ist ein Beisatz zu Läusesalbe und Nießpulver. – Bei der asiatischen Cholera ist die weiße Nieswurz eines der wichtigsten Heilmittel, indem sie fast jedesmal Hülfe bringt, wenn sie mit Durchfall begann; selbst im letzten Stadium hat sie schon oft noch Hülfe gebracht. Zur Ergänzung noch eine Aufnahme vom Blütenstand des Weißen Germers, allerdings vom Dia eingescannt und daher in schlechterer Qualität: Ähnliche Beiträge über Melanthiaceae Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia) Beitrag auf der Webseite vom Alpenreiseführer über den Schachen Büchertipp...
Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Schwarze Tollkirsche oder auch Wolfsbeere (Atropa belladonna) gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Ihr lateinischer Gattungsname Atropa leitet sich von der griechischen Göttin Atropos ab, eine der drei Schicksalsgöttinnen. Beim Artnamen belladonna wird oft auf die Übersetzung aus dem Italienischen „schöne Frau“ verwiesen, da sich Frauen früher angeblich den Saft der Pflanze in die Augen tropften und damit die Pupillen vergrößerten. Ob das die Schönheit einer Frau nun steigert lassen wir an dieser Stelle einfach mal offen, jedenfalls verbindet man heutzutage vergrößerte Pupillen eher mit Rauschzuständen und Drogenkonsum, was wiederum auf den deutschen Trivialnamen Tollkirsche verweist. Die Tollkirsche: Zauberpflanze und Heilkraut Die Tollkirsche ist jedenfalls eine alte Zauberpflanze und Heilkraut. Sie wurde schon frühzeitig wegen ihrer berauschenden Wirkung genutzt. Wegen ihrer verheerenden Wirkung brachte Hildegard von Bingen die Pflanze mit dem Teufel in Verbindung. Dabei sollte man die Giftigkeit der Pflanze, vor allem die der Beeren, nicht unterschätzen: Auf Wikipedia fand ich die Information, dass bei Kindern bereits der Verzehr von 3 bis 4 Beeren und bei Erwachsenen von 10 bis 12 der tiefschwarzen Beeren tödlich sein können. Medizinisch wird heute vor allem der Wirkstoff Atropin für die verschiedensten Arzeneien genutzt. Dr. Ferdinand Müller schreibt in seinem illustrierten Kräuterbuch von 1886 über die Wirkung der schwarzen Beeren sehr eindrucksvoll: Sie schmecken eckelhaft süß, erregen in kürzester Zeit die schrecklichsten Wirkungen der gefährlichen Gifte, als: Entzündung im Schlund und Magen, Krämpfe, Zuckungen, Gichter (?), Erbrechen, Anschwellen des Unterleibs, schweren Athem, Wahnsinn und zuletzt den Tod. Über die medizinische Anwendung der Tollkirsche schreibt er: Genau nach Vorschrift angewandt ist die Tollkirsche ein schätzbares Heilmittel, namentlich innerlich ein Schutzmittel gegen Scharlachfieber, welches...
Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia)

Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia)

Eine etwas unscheinbare, trotzdem aber sehr schöne Pflanze: die Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia) aus der Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Die krautige, aber ausdauernde Pflanze hat im Volksmund viele weitere Trivialnamen wie Augenkraut, Fuchsauge, Fuchstrauben, Krähenauge, Kreuzkraut, Sauauge, Schlangenbeere, Sternkraut, Teufelsauge, Teufelsbeere oder Wolfsbeere. Verwendung der Einbeere Einige dieser Namen wie zum Beispiel Augenkraut deuten bereits auf eine Verwendung der Einbeere als Heilpflanze hin, dabei ist sie insgesamt stark giftig und verursacht Brechreiz, Magenkrämpfe und Atemnot. In extremen Fällen kann diese heimische Pflanze sogar zum Tod durch Atemlähmung führen. Dr. Ferdinand Müller schreibt in seinem Illustrierten Kräuterbuch von 1886 über die Vierblättrige Einbeere: Da alle Theile dieser Pflanze giftig sind, so darf bei ihrem Gebrauch die nöthige Vorsicht nie aus den Augen gelassen werden. Das frische Kraut gestoßen und über die Augen gelegt, hebt die Entzündung an denselben. – Wenn man das Kraut zerquetscht und den Körper damit abreibt, so soll man gegen Ansteckung durch die Pest und andere Krankheiten gesichert sein. Ein starker Absud des dürren Krauts leistet die gleichen Dienste. – Das zerquetschte Kraut auf Pestbeulen, hitziger Geschwüre und anderen Schäden gelegt, heilt diesselben. Ähnliche Beiträge über Germergewächse (Melanthiaceae) Auf Almwiesen: der Weiße Germer (Veratrum album) Buchtipp über Heilpflanzen...
Das Maiglöckchen oder auch die Maiblume (Convallaria majalis)

Das Maiglöckchen oder auch die Maiblume (Convallaria majalis)

Ein weiterer Vertreter der Spargelgewächse (Asparagaceae) ist das Maiglöckchen (Convallaria majalis). Dabei entspricht das Maiglöckchen wie auch der Salomonsiegel und die Traubenhyazinthe von seiner Erscheinung so gar nicht unserer Vorstellung eines Spargels. Es erinnert eher an eine für den Frühling typische Zwiebelpflanze. Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) So schön die zarten Blütenrispen sind, die Frühlingsblume ist nicht ungefährlich: sie gehört zu den starken Giftpflanzen. Vor allem die Verwechselung mit dem von der Erscheinung her sehr ähnlichen Bärlauch (Allium ursinum) führt jedes Jahr zu Vergiftungen, sogar Todesfälle sind bekannt. Trotzdem ist das Maiglöckchen eine beliebte Zier- und Gartenpflanze. Und trotz der Giftigkeit gibt es zahlreiche Verwendungen der Frühlingsblume. Dr. M. Fünfstück schreibt in seinem Botanischen Taschenatlas von 1894 über das Maiglöckchen: Die Maiblume ist eine der beliebtesten Frühlings- Garten- und Topfpflanzen, daher bildet ihre Treiberei einen wichtigen Zweig der Handelsgärtnerei, namentlich für Berlin. Die getrockneten Blüten reizen zum Niesen, sie dienen deshalb zur Herstellung des bekannten Schnupftabaks. Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) Giftpflanzen sind gleichzeitig oft auch Heilpflanzen, daher berichtet Dr. Ferdinand Müller in seinem Illustrieten Kräuterbuch (1886) ausführlich über das Maiglöckchen: Ihr Geruch ist ungemein lieblich und theilt sich bei einer Destillation auch dem Wasser, Oel oder Essig mit. Das von frischen Blumen abgezogene Wasser ist erquickend und nervenstärkend; werden sie getrocknet und pulverisiert, so erregen sie Niesen auf angenehme Art, weshalb man sie auch mit Schnupftabak verwendet. Die Blumen hinterlassen saftige und rothe Beeren, welche abführende und krampfstillende Eigenschaften besitzen und daher bei Wechselfieber Anwendung finden. Durch Beimischung von etwas Kalk geben die Blätter eine dauerhafte grüne oder gelbe Farbe. In Gärten kommen auch gefüllte und röthliche Maiblumen vor, welche...
Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Unser heimischer Aronstab, der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae) fällt besonders durch seine Blütenform auf. Vermutlich deshalb regte er schon früh die Fantasie der Menschen an, die ihm wundersame Kräfte zuschrieben. Tatsächlich ist die Pflanze recht giftig und verursacht Reizungen der Haut, der Schleimhäute, des Magens und des Darms. Seine Auffälligkeit brachte ihm zahlreiche weitere Trivialnamen wie Deutscher Ingwer, Magenwurzel, Pfaffenhütlein, Schlangenkraut, Stinkblume und Zehrwurz ein. Besonders interessant ist die Blütenbiologie des Aronstabs: es ist eine sogenannte Kessel-Gleitfallenblume. Vor allem abends verströmt die Blüte einen Geruch nach Fäkalien, daher der Name Stinkblume. Das zieht Insekten an, die im von der Blüte gebildeten Kessel keinen Halt finden und nach unten in eine Verdickung des Kessels rutschen. Ähnlich einer Reuse werden die Insekten dort gefangen gehalten, bis die Blüte beginnt zu verwelken und die Staubgefäße aufplatzen. Erst dann kommen die bepuderten Insekten wieder frei, um weitere Pflanzen zu bestäuben. Der Aronstab ist also keine fleischfressende Pflanze, sondern nimmt die Insekten lediglich in Haft, um sie für seine Dienste zu missbrauchen. Die Insekten haben nichts von der Aktion, der Aronstab gilt daher als Insektentäuschblume. Es handelt sich demnach auch nicht um eine Symbiose, bei der beide Partner einen Vorteil voneinander haben. Der Kolben der Blüte erinnerte früher mit seiner Form an einen Phallus, weshalb der Pflanze prompt eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wurde. In der Homöopathie wird der Aronstab dagegen auch heute noch bei Entzündungen der oberen Atemwege eingesetzt. Dr. M. Fünfstück schreibt in seinem Botanischen Taschenatlas (1894) über den Aronstab: Der Aronstab ist in allen Teilen, besonders aber der Wurzelstock, in frischem Zustande von brennenden Geschmack, verursacht...
Die Blüte der Sibirischen Schwertlilie (Iris sibirica) auf den Wiesen am südlichen Ammersee

Die Blüte der Sibirischen Schwertlilie (Iris sibirica) auf den Wiesen am südlichen Ammersee

Eigentlich dachte ich, dass ich für die Blüte der wildwachsenden Schwertlilien (Iris sibirica) auf den Wiesen am südlichen Ammerseeufer zu spät bin, aber bei dem kalten und regnerischen Frühjahr 2013 blühen diese Pflanzen erst jetzt. Die Streuwiesen am Ammerseeufer zwischen Dießen und Fischen gehören mit zu den größten Beständen der Sibirirschen Schwertlilien in Süddeutschland. Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) Der größten Teil der Wiesen ist geschützt und darf wegen der vielen Bodenbrüter nicht betreten werden. Ausgedehnte Bestände der Iris sieht man aber gut vom Radweg aus, der von Dießen nach Raisting führt. Wer tiefer in das Gelände vordringen möchte, sollte sich einer Führung anschließen. So bietet zum Beispiel der Verein Schutzgemeinschaft Ammersee Führungen an. Wiesen am südlichen Ammerseeufer mit blühenden Schwertlilien Die Sibirische Schwertlilie gehört zur Familie der Schwertliliengewächse (Iridiceae). Seit Jahrhunderten wird sie als Zierpflanze in Gärten gepflegt, im Laufe der Zeit haben sich so zahlreichen Sorten entwickelt. 2010 war sie Blume des Jahres. Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) Ähnliche Beiträge Wilder Krokus (Crocus vernus) Ausflug in die Pähler Schlucht im Pfaffenwinkel, Bayern Eibenwald bei Paterzell (Pfaffenwinkel) Lesetipp...