Verfolgt man die Berichterstattung in den Medien, dann ist die diesjährige Bundesgartenschau auf dem ehemaligen Flughafengelände in München-Riem ein kompletter Reinfall. »Zu weite Wege«, »zu wenig Blumen« oder einfach nur »zu teuer« ist der Grundtenor der aktuellen Berichterstattung über das alle zwei Jahre stattfindende Ereignis. Dabei ist die Veranstaltung durchaus eine differenziertere Beurteilung wert. Zunächst sollte man trennen zwischen der eigentlichen Gartenschau und der Anlage des Parks in Riem. Während die Veranstaltung am Oktober ihre Tore schliessen wird, wird der Landschaftspark den Menschen der gleichzeitig neu enstandenen Wohnvierteln in Riem bleiben.
Zugegeben, einige der Installationen auf der BUGA sind Geschmacksache. Die angekündigten Perspektivwechsel sind in ihrer Ausprägung diverser Installationen mehr oder weniger witzig, man hat sich daran aber auch schnell sattgesehen. Demgegenüber gibt es eine Vielzahl von Beeten und Sonderausstellungen, die je nach Jahreszeit unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Das Programm reicht dabei von Gestaltungsvorschlägen für Balkone und Kleingärten bis hin zu farbenfrohen Kompositionen verschiedenster Stauden. Die Ausstellungszelte in der Nähe des Westeingans beherbergen Sonderausstellungen, die sich einzelnen Pflanzengruppen widmen, wie z.B. Orchideen oder Fuchsien.
Denkt man bei Friedrich Ludwig von Sckell an die den Höhenlinien der Landschaft anpasste Gartengestaltung mit ihren heimeligen, verschlungenen Wegen, dann erschreckt die strenge wie mit dem Lineal geschaffene Parkanlage auf den ersten Blick. Vor allem die Gehölzpflanzungen erinnern an Monokulturen zur Massenproduktion und stellen das im Rahmen der BUGA vorgestellte Konzept in Frage. Aber ehrlich, die Entscheidung, ob dieser weitläufige Landschaftspark von den Menschen angenommen, vielleicht sogar als schön empfunden wird, das werden erst die nächsten Jahre zeigen. Viele Dinge aus allen Bereichen des Lebens, die wir heute als schön empfinden wurden zum zeitpunkt ihres Erschaffens geschmäht. Man kann durchaus davon ausgehen, das der Nymphenburger Park in München die ersten Jahre nach seinem Entstehen nicht die Wirkung auf den Menschen hatte, die er heute besitzt. Das Raumkonzept, der großzügige Umgang mit freien Flächen überzeugen schon jetzt und die Menschen, die in dem neu geschaffenen Stadtviertel der Messestadt Riem leben werden diesen Park annehmen! Ob er ein Meilenstein moderner Gartenkunst sein wird, wird die Zukunft zeigen. Ich bin gespannt.
Ob die finanziellen Mittel, die solchen kurzfristigen Events zur Verfügung stehen, gerechtfertig sind, sei dahingestellt, vor allem unter dem Aspekt, das ständige Einrichtungen dieser Art in diesen Zeiten schmerzhafte Kürzungen der öffentlichen Zuschüsse hinnehmen müssen. Da wird in der Planungsphase viel schön gerechnet. Bleiben die erwarteten Besucherzahlen dann aus, enden solche Veranstaltungen naturgemäß im finanziellen Fiasko. Der pauschale Verriss, den die BUGA derzeit durch die Medien erfährt, ist allerdings nicht gerechtfertigt, jeder der sich mit irgendeiner Form von Gartenbau beschäftigt, kann eine Menge an Eindrücken und Inspirationen mitnehmen. Und das der Sommer 2005 in Bayern einfach ausgeblieben ist, war für die Organisatoren wirklich nicht vorherzusehen.