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Wie alt ist die Idee des Open Source?

Mit dem Erfolg des Betriebssystems Linux und des Webservers der Apache Software Foundation ist das Thema Open Source im Zusammenhang mit Software in aller Munde. Ist das Konzept der Open Source tatsächlich so neu?


Viele Menschen arbeiten an einem gemeinsamen Ziel. Jeder steuert seinen Teil der Arbeit, meist in Form von Programm Code, zum Ganzen bei und profitiert dafür von der Gemeinschaftsleistung. Dieses scheinbar so moderne Prinzip der Open Source Bewegung, das erst mit der Technologie des Internets möglich zu werden schien, ist nicht unbedingt so neu.

Über Jahrhunderte haben Menschen sich Tiere und Pflanzen zu Nutze gemacht und durch Züchtung nach ihren Vorstellungen verändert. Sie haben versucht erwünschte Eigenschaften zu verstärkten und unerwünschte abzuschwächen. Das Ergebnis ist die uns heute bekannte Vielfalt der Haustiere und Nutzpflanzen. Erfolgreiche Züchtungen wurden dabei schon immer weitergegeben und konnten sich sehr weit, vielleicht sogar weltweit verbreiten. Das einzelne Tier oder die einzelne Pflanzen wird zwar verkauft, aber es steht jedem frei, die erworbenen Individuen zu vermehren oder gar durch Züchtung auch zu verändern.

Dieser freien Weitergabe des »Programm Codes« der Individuen stehen die Interessen der modernen Biotechnologie entgegen. Die nutzbringenden Eigenschaften der Nutztiere und -pflanzen werden nicht mehr in dem natürlichen, zeitraubenden Auswahlverfahren der Zucht verstärkt, sondern durch Neukombination der Gene, der kleinsten Informationseinheit einer Zelle, von einer zur nächsten Generation umgebaut. Schafft es eine Firma in ihren Labors tatsächlich eine scheinbar nützlichere Kreatur als die bisher Dagewesenen zu schaffen, hat sie natürlich kein Interesse mehr daran, das die Neuschöpfung einfach so weitergegeben werden kann. Also patentiert sie ihre Schöpfung. Damit ist der jahrhunderte alte Prozess der Schaffung lokaler Haustier- und Nutzpflanzenrassen unterbrochen.

Dieser zugegeben sehr kurz beschriebene Prozess zeigt erstaunliche Parallelen zur Software-Industrie: die von Firmen erstellten Programme sind für den Benutzer nicht mehr veränderbar, der Programm Code ist nicht öffentlich, die Weitergabe von Kopien untersagt. Die Patentierung von Software ist derzeit ein großes Thema in den Medien.

Erstaunlicherweise ist die Idee des Open Source in der Software-Entwicklung zu der Entwicklung in der Biotechnologie komplett gegenläufig. Hier hat sich erst die Industrie entwickelt und etabliert. Erst danach haben sich einzelne Menschen dazu entschlossen, ihre Entwicklungen für alle einsehbar und damit auch veränderbar weiterzugeben. So konnte jeder Entwickler die Anwendungen um die Eigenschaften erweitern, die er noch vermisst hat, um das das neue Programm der Allgemeinheit wieder zur Verfügung zu stellen. Die Erfolge der schon genannten Beispiele geben der Idee Recht.

Um wieder zurück zu unseren Haustierrassen und Gartenpflanzen zu kommen, so hoffe ich, das auch die jahrhunderte alte Idee der Züchtung in kleinen Schritten die noch bestehende Vielfalt rettet. Nicht das wir eines Tages beim Kauf von Samen oder Setzlingen einen Nutzungsvertrag für den kreierten DNA-Code unterzeichnen müssen, in dem wir uns gegenüber dem Hersteller bei Androhung von Strafe verpflichten, die Kopien dieser Pflanzen, sprich ihre Ableger oder ihren Samen, nicht weiterzugeben und als Raubkopierer bezeichnet werden.

 
 
 
© Thomas Schmidt
Stand: 29. Oktober 2006