Maroni, die Esskastanie oder auch Edelkastanie (Castania sativa)

Maroni, die Esskastanie oder auch Edelkastanie (Castania sativa)

In dem Ort im Südschwarzwald, wo ich aufgewachsen bin, standen am Waldrand drei Edelkastanien (Castania sativa). Jeden Herbst rösteten wir Kinder die Kastanien, hier in Bayern Maroni genannt, am offenen Lagerfeuer. Es sind diese Erinnerungen, warum mir diese Bäume der Familie der Buchengewächse (Fabaceae) so unheimlich gut gefallen, ich hätte gerne einen solchen Baum im Garten stehen. Allerdings wird mir diese Idee von allen möglichen Leuten immer wieder ausgeredet, denn hier in Oberbayern sei es zu kalt. Letztens habe ich aber im Nachbarort an einer Hauswand in geschützter Lage eine Edelkastanie stehen sehen und die sah nicht so aus, als ob sie in unserem heimischen Klima nicht gedeihen würde. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.

Edelkastanien (Maroni) in der Cinque Terre, Castania sativa

Edelkastanien (Maroni) in der Cinque Terre, Castania sativa

Die Esskastanien oder Maroni, die es bei uns ab Herbst wieder zu kaufen gibt, dürften meist aus Italien stammen. Es gibt aber auch einige Anbaugebiete in der Schweiz und sogar einzelne natürliche Standorte nördlich der Alpen in Österreich. Wie bei vielen Lebensmitteln, die heute sehr geschätzt werden und als Delikatesse gelten, waren Maroni früher ein ausgesprochenes „Arme Leute“-Essen. Die braun glänzenden Früchte sind dabei vielseitig verwendbar und lieferten oft die Lebensgrundlage für die Bauern abgelegener Täler auf der wärmeren Südseite der Alpen.

Fruchtstand der Edelkastanie (Castania sativa) mit dem schönen Laub

Fruchtstand der Edelkastanie (Castania sativa) mit dem schönen Laub

Am bekanntesten sind sie natürlich geröstet: Jeden Herbst und Winter kann man an fast jeder Ecke der Innenstadt Münchens eine Tüte frisch gerösteter Maroni bekommen. Bekannt ist auch Maronencreme, die es bei uns leider nicht zu kaufen gibt, so dass man sie sich aus Italien mitbringen muss. Am liebsten mag ich Kastanien inzwischen aber in karamelisierter Form als Beilage zum Essen. Die gerösteten Maroni werden dazu in geschmolzenem Zucker geschwenkt und dann mit Weißwein abgelöscht. Ist bei uns schon fast schon die traditionelle Beilage zur Weihnachtsgans (statt Füllung), passt aber auch erstaunlich gut zu Rosenkohl.

Edelkastanie im Nachbarort, sie gedeihen also auch bei uns, allerdings mit kleinen Früchten

Edelkastanie im Nachbarort, sie gedeihen also auch bei uns, allerdings mit kleinen Früchten

Vor dem Genuss steht aber die Mühe, denn die Kastanien müssen – vorausgesetzt man erntet sie vom Baum – erst aus ihrer stacheligen Umhüllung befreit werden. Um die Früchte dann noch aus ihrer braunen, harten Schale herauszubekommen, muss man sie einritzen und rösten. Die Schalen öffnet sich dann leicht, und man kann die eigentliche Frucht herauslösen, meist allerdings mit verbrannten Fingern. In Supermärkten habe ich schon fertige Maroni ohne Hülle, dafür in Plastikfolie eingeschweißt gesehen. Ich bevorzuge aber die dicken, glänzenden Maroni vom kleinen Gemüsehändler um die Ecke.

Ich musste ja auch gleich schauen, was Dr. Ferdinand Müller über die Kastanie in seinem Buch »Das große illustrierte Kräuterbuch« über die Kastanie schreibt, und tatsächlich, selbst zur Kastanie weiß er einiges zu berichten. Einige Auszüge:

Blüht in Südeuropa und im Oriente, seiner Heimath, jetzt auch in Deutschland ziemlich häufig angebaut, im Juni. Die Früchte, welche durch Sieden, noch mehr aber durch Rösten zu einer angenehmen Speise sich bereiten lassen, sind Hauptnahrung der ärmeren Klassen der Bewohner Italiens, die auch Mehl und Brod daraus bereiten. …. Die Früchten der zahmen Kastanie heißen Maronen und sind in Italien und anderen südlichen Ländern so wichtig wie bei uns die Kartoffeln. Durch Auspressen gewinnt man ein gutes Oel davon, sowohl zum Brennen als zum Verspeisen geeignet.

Die Edelkastanie hat botanisch übrigens nichts mit der Gewöhnlichen oder Gemeinen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) zu tun. Letztere gehört in die Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae).

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