Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Unser heimischer Aronstab, der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae) fällt besonders durch seine Blütenform auf. Vermutlich deshalb regte er schon früh die Fantasie der Menschen an, die ihm wundersame Kräfte zuschrieben. Tatsächlich ist die Pflanze recht giftig und verursacht Reizungen der Haut, der Schleimhäute, des Magens und des Darms. Seine Auffälligkeit brachte ihm zahlreiche weitere Trivialnamen wie Deutscher Ingwer, Magenwurzel, Pfaffenhütlein, Schlangenkraut, Stinkblume und Zehrwurz ein.

Gefleckter Aronstab, Arum maculatum

Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Besonders interessant ist die Blütenbiologie des Aronstabs: es ist eine sogenannte Kessel-Gleitfallenblume. Vor allem abends verströmt die Blüte einen Geruch nach Fäkalien, daher der Name Stinkblume. Das zieht Insekten an, die im von der Blüte gebildeten Kessel keinen Halt finden und nach unten in eine Verdickung des Kessels rutschen. Ähnlich einer Reuse werden die Insekten dort gefangen gehalten, bis die Blüte beginnt zu verwelken und die Staubgefäße aufplatzen. Erst dann kommen die bepuderten Insekten wieder frei, um weitere Pflanzen zu bestäuben. Der Aronstab ist also keine fleischfressende Pflanze, sondern nimmt die Insekten lediglich in Haft, um sie für seine Dienste zu missbrauchen. Die Insekten haben nichts von der Aktion, der Aronstab gilt daher als Insektentäuschblume. Es handelt sich demnach auch nicht um eine Symbiose, bei der beide Partner einen Vorteil voneinander haben.

Blätter des Gefleckten Aronstab (Arum maculatum)

Blätter des Gefleckten Aronstab (Arum maculatum)

Der Kolben der Blüte erinnerte früher mit seiner Form an einen Phallus, weshalb der Pflanze prompt eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wurde. In der Homöopathie wird der Aronstab dagegen auch heute noch bei Entzündungen der oberen Atemwege eingesetzt. Dr. M. Fünfstück schreibt in seinem Botanischen Taschenatlas (1894) über den Aronstab:

Der Aronstab ist in allen Teilen, besonders aber der Wurzelstock, in frischem Zustande von brennenden Geschmack, verursacht Magenentzündung und Blutbrechen. Der giftige Stoff ist indess sehr flüchtig, er schwindet schon durch das Trocknen oder Kochen der Pflanze, so dass die stärkemehlreichen Knollen sogar essbar sind. Früher waren denn auch gedörrte Aronknollen kein ungewöhnliches Nahrungsmittel, während sie jetzt nur noch hie und da zur Bereitung von Portland-Sago dienen und gemahlen von den Karpathenbewohnern dem Brotmehl beigemengt werden. Der Wurzelstock war früher gegen Magenübel und Brustverschleimung offizinell. Nach Plutarch verzehrt der Bär nach 40tägigem Winterschlaf zuerst Aronwurzeln, um sich zu purgieren. Bei der auffallenden Tracht der Pflanze ist es nicht zu verwundern, dass sie im Aberglauben eine grosse Rolle spielt. Vorwiegende Entwicklung der Staubblattblüten deutet angeblich auf eine gute Getreide-, der weiblichen Blüten auf eine gute Heuernte.

Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)

Und auch Dr. Ferdinand Müller weiß in seinem Illustrierten Kräuterbuch von 1886 einiges über den Aronstab zu berichten:

Die frische Wurzel (Aronswurzel) wird häufig als blasenziehendes Mittel benützt und erhält, wie die jungen Blätter einen scharfen ätzenden Stoff, der überall, wo er hinkommt, einen brennenden Schmerz und Entzündung verursacht. Die weißgeschälte Wurzel wird unter dem Namen Aronswurzel häufig in der Heilkunde gebraucht. Gewöhnlich sammelt man die Pflanze im Herbst und trocknet sie, wodurch sie an ihrer Schärfe ungemein viel verliert. In frischem Zustande verursacht ihr Genuß einen zusammenziehenden Schmerz in Schlund und Magen, worauf Magenkrampf, heftige Kolik, Entzündung, Blutbrechen, ja selbst der Tod folgt. Bei einer solchen Vergiftung soll außer den gewöhnlichen Gegenmitteln namentlich Essig gut sein. Getrocknet kann sie innerlich gegen Verschleimung und Schwäche des Magens und der Brust, äußerlichg gegen krebsartige Geschwüre gebraucht werden, ja sie wird in diesem Zustande nicht selten abgekocht und als Speise benützt.